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Von A wie Ausbildung bis Z wie nachhaltige Zukunft

KUNSTSTOFF.swiss Verbandstag 2020

 

Aarau, 20.8.2020 – Verbandstag? Das Coronavirus hat – wie bei den meisten Firmen und Verbänden – die Durchführung einer physischen Mitgliederversammlung und einer Lehrabschlussfeier verhindert. KUNSTSTOFF.swiss wollte aber nicht darauf verzichten, Mitglieder, Freunde und Partner persönlich zu treffen, über aktuelle Themen zu informieren und gemeinsam den Lehrabschluss der Lehrabsolventinnen und -absolventen zu feiern und lud deshalb am 20. August 2020 zu einem Verbandstag.

Rund 200 Mitglieder, Berufsbildner, Absolventinnen und Absolventen sowie Freunde und weitere Interessierte folgten der Einladung an die Berufsschule Aarau.

Der Vormittag stand im Zeichen von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Nach der Begrüssung durch Silvio Ponti, den Präsidenten des Verbands KUNSTSTOFF.swiss, zeigten verschiedene Referate den 70 Teilnehmenden in diesem Block auf, welche Lösungen es gibt, um Kunststoffe im Kreislauf zu halten.

Z wie nachhaltige Zukunft

Stoffliches Recycling

Den Anfang machte Amanda Finger, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sektion Siedlungsabfälle beim Bundesamt für Umwelt (BAFU). Unter dem Titel «Kunststoffe in der Umwelt und Potenziale für die Kreislaufwirtschaft» zeigte sie unter anderem auf, welches die Hauptemissionsquellen von Kunststoffen in die Umwelt sind und wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) damit umgeht.

Chemisches Recycling – aber richtig

Prof. Dr. Rainer Bunge, Institutspartner UMTEC, Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik der Hochschule Rapperswil, präsentierte ein Projekt zur Verwertung von PVC-haltigen Abfällen, die nicht stofflich rezykliert werden können.

So soll bei der Verbrennung dieser Abfälle in Kehrichtverbrennungsanlagen Salzsäure gewonnen werden, um Blei und Cadmium aus dem PVC-Abfall herauszuholen. Im Weiteren soll es das Auftreten von Dioxin verhindern. Letztlich werden dadurch – und das ist sehr wichtig – die Rauchgase «gewaschen» und neutralisiert. Ebenfalls gewachsen wird die Asche, die später vergraben werden muss. Durch die dosierte Zugabe von zusätzlichen PVC-Abfällen in Schweizer KVA könnte der Bedarf an Salzsäure für die Rauchgaswäsche so gedeckt werden, dass keine Säure mehr dazugekauft werden muss. Dieser Prozess kann praktisch nur in Schweizer KVA’ s (Kehrichtverbrennungsanlagen) angewendet werden, weil diese einen hohen technischen Stand aufweisen und damit für dieses Verfahren prädestiniert sind.

Thermische Wiederverwertung

Dr. Robin Quartier, Geschäftsführer des Verbands der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen, VBSA, präsentierte die thermische Wiederverwertung als Lösung für die verschiedenen nicht stofflich oder chemisch nicht oder nicht mehrfach rezyklierbaren Kunststoffabfälle. Obwohl der Wirkungsgrad der Kehricht-Heizkraftwerke laufend besser wird, entsteht dabei unerwünschtes CO2, das in Zukunft verstärkt durch verschiedene innovative Ansätze reduziert werden soll.

Energieeffizienz in der Kunststoffverarbeitung…und Fördermöglichkeiten

Mihaela Grigorie, Spezialistin für Energieeffizienz, Bundesamt für Energie BFE, erklärte eindrücklich, wo die grossen Stromfresser in der Kunststoffverarbeitung sitzen und wie diese reduziert werden können. Als Hilfsmittel dient dazu die neu erstellte Broschüre «Energieeffizienz in der Kunststoffverarbeitung», die beim BFE oder bei KUNSTSTOFF.swiss bezogen werden kann. Im zweiten Teil stellte Mihaela Grigorie ergänzend vor, welche Förderprogramme es gibt, die solche Energieeffizienzmassnahmen finanziell unterstützen.

Nach grossem Applaus für die Rednerinnen und Redner fasste KUNSTSTOFF.swiss-Präsident Silvio Ponti zusammen:

«Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind eine grosse Chance für die Schweizer Kunststoffindustrie, denn sie bieten Innovationsfelder in Gebieten, in denen die Schweizer Industrie stark ist, wie zum Beispiel die Digitalisierung und den Technologievorsprung. Dies wird unterstützt durch die exzellenten Hochschulen, die Forschung und die starke Vernetzung der Schweizer Unternehmen.»

A wie Ausbildung

KUNSTSTOFF.swiss Geschäftsführer Kurt Röschli eröffnete den Nachmittag mit einer kurzen Einführung zur Berufsbildung. Der Verband als Organisation der Arbeitswelt (OdA) steckt mitten im Projekt zur Überarbeitung von Bildungsverordnung (BiVo) und Bildungsplan (BiPla) der Berufslehre Kunststofftechnologe/in EFZ. BiVo und BiPla definieren Eckpunkte und Inhalte der Ausbildung, und der neue Bildungsplan, der zurzeit im Entstehen begriffen ist, legt die Basis für die Zukunft der Ausbildung.

Eva Heinimann, die KUNSTSTOFF.swiss in diesem Projekt pädagogisch unterstützt, illustrierte in Ihrer Präsentation den Kern des neuen Bildungsplans, die Handlungskompetenzen. Diese sind zu vergleichen mit typischen Arbeitssituationen, die Kunststofftechnologinnen oder Kunststofftechnologen beherrschen müssen. 

Als zweite grosse Änderung werden die heute gültigen fünf Fachrichtungen zu einer Ausbildung mit Schwerpunkten zusammengefasst. "Es soll zukünftig nur noch einen Kunststofftechnologen EFZ geben", fasste Kurt Röschli nach diesem Referat zusammen.

Ein starker Jahrgang

Luzius Flütsch – Chefexperte Schulort Rapperswil – informierte anschliessend über das Qualifikationsverfahren 2020, das trotz Corona sehr erfreuliche Resultate erreicht hat. So haben 32 Lernende Kunststoffverarbeiter/innen EBA und 58 Lernende Kunststofftechnologe/innen EFZ – darunter auch vier mit Berufsmatura – ihre Lehre erfolgreich abgeschlossen. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass der Notendurchschnitt mit 4.8 auch dieses Jahr gleichbleibend hoch bei den EBA-AbsolventInnen und mit 5.0 bei den EFZ-AbsolventInnen sogar höher als in den letzten fünf Jahren war.

Fachkräftemangel und Gegenmittel

KUNSTSTOFF.swiss engagiert sich unter anderem in der Berufsbildung, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Dazu ist es wichtig, genügend Lernende zu finden, was aber nicht immer ganz einfach ist.

Noel Gilomen, der selbst eine Lehre zum Kunststofftechnologen EFZ absolviert hat und heute bei KUNSTSTOFF.swiss für die Aus- und Weiterbildung zuständig ist, gab einen Rückblick auf die Berufsmarketingaktivitäten im vergangenen Jahr, wo schwergewichtig auf Berufsmessen gesetzt wurde. Nachdem 2020 aus bekannten Gründen bereits sieben von zehn Berufsmessen abgesagt wurden, wird dieses Jahr vermehrt auf digitales Marketing gesetzt. Zurzeit werden Videos gedreht, die bald in einer neuen Berufswahl-App namens Yoko sowie bei Youtube und auf weiteren Social Media-Kanälen gezeigt werden. Als weitere Schiene im digitalen Berufsmarketing präsentierte Remo Huber, Projektleiter und Kundenberater von Yousty, die Plattform, die weit mehr als nur eine Lehrstellenbörse ist.

Den Abschluss machte Celine Rogenmoser der Firma Airex mit Ihrem Bericht über die Arbeit mit den aktuell elf Lernenden in sechs verschiedenen Berufen. Besonders spannend bei einer Lehre bei Airex ist neben der Vielfältigkeit der Ausbildung – die Lernenden lernen während ihrer Ausbildung neun verschiedene Abteilungen kennen –  sicher die Tatsache, dass eine Austauschwoche mit der Firma Georg UTZ AG den Lernenden einen breiteren Einblick in die Branche gibt.

Abschlussfeier

Christian Bisang, Moderator der Morgenshow bei Radio Argovia, war heute einmal gegen Abend im Einsatz und begrüsste die rund 170 Absolventinnen, Absolventen, Eltern, Freunde, Berufsbildner und Verbandsmitglieder, die hinter den Masken einen vergnügten Eindruck machten.

Silvio Ponti betonte in seiner Ansprache die Systemrelevanz der Kunststoffbranche, was durch die Pandemie wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein getreten ist. Paul Knoblauch, Rektor der Berufsschule Aarau, freute sich, dass nach all den abgesagten Abschlussfeiern, wenigstens die der «Kunststöffler» durchgeführt werden konnte.

Danach kam der grosse Auftritt der jungen Berufsleute, die einzeln auf die Bühne gerufen wurden und neben viel Applaus auch ein Geschenk erhielten. Den Höhepunkt bildete auch dieses Jahr die Prämierung der besten Absolventen. Dabei als Superstars Joel Bösch, Kunststofftechnologe EFZ bei Wild & Küpfer AG mit der Note 5.6 und die Kunststoffverarbeiter EBA Marco Antonio Carvalho de Sousa von Kunststoff Schwanden AG und Paramarajah Laxsujan von Novoplast AG mit 5.4.

Die Pausen wurden von Axel Marena und Nadine Purtschert musikalisch begleitet und bei einem bunten Apero riche im Freien, wo menschliche Nähe trotz physischer Distanz gut möglich war, klang die Feier langsam und fröhlich aus.